Nordgriechenland: Unsere Besuche im Refugee Camp „Diavata“

Kathrin

Redakteurin
Bereits zweimal waren ehrenamtliche Mitarbeiter von Menschenfreude e.V.  im Flüchtlingslager in Nordgriechenland. Mit im Gepäck: Kartons voller Kleider- und Sachspenden, Kinderspielzeug und Hygieneartikel. Beeindruckende Momente für das ganze Team: "Man hat die Bedürftigkeit der Menschen gespürt." Yvonne Schaale und Axel Müller haben uns ein bisschen über ihren humanitären Einsatz vor Ort erzählt. Und warum es unbedingt weitergehen muss.
Menschenfreude Refugee Camp

Erster Besuch im Sommer 2020

Das Flüchtlingslager „Diavata“ befindet sich in der Nähe Tessalonikis, im nördlichen Griechenland. Seit der Errichtung im Jahr 2016 leben dort rund 2000 Geflüchtete. Mehrheitlich aus Syrien, Afghanistan und Irak. „Ein gottverlassener Ort. Staub, Schotter, kaum schattenspendende Bäume.“ Das Lager besteht aus Zelten und einfachsten Behausungen. Ringsherum hohe Zäune.

Yvonne und Axel waren zusammen mit Anthea und Jürgen Perteck um ersten Mal dort. Das war im Sommer 2020. „Es war schon sehr abenteuerlich alles. Die Menschen harren dort aus. Sie sitzen da, in brütender Hitze, und wissen nicht, was aus ihnen wird. Man kann sich das kaum vorstellen.“

Einblick in das Flüchtlingslager Diavata. Zunächst gab es nur Zelte. Jetzt einfache Container.

Spenden aus dem Rhein-Sieg-Kreis

In Deutschland hatten wir von Menschenfreude e.V. zu Spenden aufgerufen. Kleiderspenden und Spielzeuge wurden gesammelt. Freiwillige Helfer packten unzählige Kartons. Auf eigene Faust reiste die Gruppe in Richtung Griechenland.

„Die Menschen haben sich förmlich um die Kleidung gerissen. Einige durften raus aus dem Lager. Sie haben dann die Sachen weiterverteilt an die Leute drinnen. Es sollte ja auch jeder etwas bekommen. Das war unsere größte Sorge, dass nicht alle etwas bekommen.“

Axel verteilt Spenden von der Pickup Ladefläche. Es herrscht großes Gedränge. Der Besuch ist nicht alltäglich.

Kaum Wasser trotz großer Hitze

Teilweise wurden die Hilfsgüter einfach über die Zäune gereicht. Viele Hände reckten sich Anthea und Yvonne entgegen. Und nicht nur das: „Wir waren ja einige Zeit dort. Und irgendwie hatten wir immer mehr den Eindruck, dass die Menschen großen Durst hatten. Es gab kaum Trinkwasser im Lager. Trotz der enormen Hitze.“

Spontaner Einkauf: Yvonne und Axel besorgen Wasser, Lebensmittel und Hygieneartikel.

Also kaufte die Gruppe kurzerhand ein im örtlichen Supermarkt: Mehrere Einkaufswagen voll mit Wasserflaschen. Obst, Gemüse, Brot und Süssigkeiten. Mit zwei PKW-Ladungen ging es zurück zum Lager.

„Wie die Kinder sich die Kekse gegriffen haben.
Als wenn es das Letzte ist, was sie zu essen bekommen.“

(Yvonne)

Yvonne kann sich an das Gedränge am Zaun erinnern. Und auch an die vielen Hände derer, die uns Danke sagen wollten. „Viele haben uns fest die Hand gedrückt und immer wieder ‚thank you, thank you‘ gesagt. Auch die Kinder. Daran denke ich oft.“

Yvonne und Anthea verteilen Wasser und Lebensmittel über den Zaun hinweg.

Dankbarkeit war spürbar

„Man kennt die anonymen Bilder aus den Medien. Aber wenn man Kontakt aufnimmt, persönlich ins Gespräch kommt mit den Menschen und die Geschichten dahinter erfährt. Und die Dankbarkeit für die Hilfe. Dann verändert das die Sichtweise nachhaltig.“ Anthea und Jürgen erinnern sich vor allem an einen syrischen Soldaten. Er war erst kurz im Lager und vor den Schrecken des Krieges geflohen. Alles sei besser, als dort zu bleiben. Seine Dankbarkeit war grenzenlos – vor dem Hintergrund der schlimmen Erlebnisse, von denen er erzählte. Seine festen Umarmungen rührten alle sehr.

Anthea und ein syrischer Soldat, der erst vor Kurzem ins Lager kam und viel aus den letzten Wochen erzählte.

„Man muss sich das mal vorstellen: Es gab dort einen Mann, der scheinbar den ganzen Weg gelaufen ist“, erzählt Axel. Durch die Türkei. „Er hat uns gefragt, ob wir vielleicht Schuhe für ihn haben. Er war barfuß. Ja, und da haben wir ihm im Supermarkt halt ein paar einfache Schuhe gekauft.“

Nicht der letzte Besuch in Diavata

„Uns wurde damals klar, dass das nicht er einzige Besuch bleiben kann.“ So das Fazit der Gruppe im Jahr 2020. Denn auch, wenn wir immer nur einen sehr kleinen Beitrag leisten können, kann es doch einen Unterschied im Leben anderer Menschen ausmachen.

„Man hat  die enorme Bedürftigkeit der Menschen gespürt.
Und das lässt einen einfach nicht unberührt.“
(Axel)

Und so startete im Sommer 2021 wieder eine Menschenfreude-Gruppe nach Diavata. Abermals mit zahlreichen Kartons. Spendengüter, die im Rahmen unserer Spenden-Annahme-Termine gesammelt worden waren. Kleidung, Spielzeug, Alltagsgegenstände. Sortiert und gepackt an mehreren Wochenenden von unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter. „In diesem Jahr hatten wir auch zwei Rollstühle und medizinische Hilfsmittel dabei“, berichtet Jürgen, der auch diesmal die Anreise koordiniert hat.

Das Video vom Besuch 2021

In diesem Jahr war es möglich, das Lager mit dem Camper zu befahren. So ist das folgende Video entstanden:

Natürlich leisten wir mit unseren Spendengütern nur eine kleine Hilfe. Wir gehen jedoch fest davon aus, dass wir die geflüchteten Menschen in ihrer Situation erreichen konnten. Und, dass wir ihnen an den Tagen unseres Besuchs eine kleine Freude machen konnten.

Helft uns auch zu helfen

Wenn ihr unsere Arbeit unterstützen möchtet, freuen wir uns sehr. Es gibt viele Möglichkeiten:

  • An unseren Spenden-Abgabeterminen könnt ihr Kleider- und Sachspenden abgeben. Eine Liste, was benötigt wird, findet ihr hier.
  • Über die Abgabe-Termine informieren wir regelmäßig auf Instagram.
  • Ebenso könnt ihr selbst aktiv werden und uns helfen. Wo und wie? Meldet euch einfach bei uns und wir finden den passenden Einsatzbereich für euch.
  • Ihr könnt unsere Aktionen finanziell unterstützen, zum Beispiel per Paypal-Spende, Stichwort: Nordgriechenland. Wir sagen herzlich Danke!

 

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